05.08.16 Hunderte Auslandschweizer feiern das 100-jährige Bestehen der ASO

 


An der Sitzung des Auslandschweizerrates (ASR), die am Freitag in Bern stattfand, kamen 81 Delegierte aus der ganzen Welt zusammen. Sie sprachen insbesondere über den Stand des E-Voting in der Schweiz. Parallel dazu feierten hunderte Auslandschweizer – darunter 200 Kinder und Jugendliche – und ein zahlreich erschienenes Publikum das 100-jährige Bestehen der Auslandschweizer-Organisation im Beisein von Bundesrat Didier Burkhalter auf dem Bundesplatz.

 

Zur Eröffnung dieses ereignisreichen Tages unterstrich Remo Gysin, Präsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO), dass «die Hundertjahrfeier vor allem dazu dienen soll, einen Blick in die Zukunft zu werfen und sich Gedanken zur Stellung der Schweiz in der Welt im Zeitalter der internationalen Mobilität zu machen. Im Jubiläumsjahr geht es darum, an den Stellenwert und die zahlenmässige, politische, aber auch kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung unserer Landsleute im Ausland für die Schweiz zu erinnern.»

 

  • Nationalratssaal des Bundeshauses: Sitzung des Auslandschweizerrates (ASR)

9.00–11.45 Uhr und 14.45–17.15 Uhr

Der 140 Mitglieder umfassende Auslandschweizerrat (ASR), von denen heute 81 anwesend waren, ist von den Bundesbehörden als offizielles Sprachrohr der Auslandschweizer anerkannt. Er ist das «Parlament der Fünften Schweiz». Im Rahmen des 100-Jahre-Jubiläums der ASO kamen die Delegierten zu ihrer zweiten Jahressitzung im Nationalratssaal zusammen – ein Zeichen grosser Anerkennung und eine Bestätigung des politischen Gewichts der 762'000 im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer.

 

Resolution «Schweizer Bürger zweiter Klasse»

Der ASR hat eine Resolution zur Postfinance AG verabschiedet. Die Postfinance habe Kreditkarten für Kunden mit Wohnsitz im Ausland kurzerhand gekündigt. Der ASR ruft den Bundesrat, insbesondere die zuständige Bundesrätin. Doris Leuthard, nun dazu auf, bei der Postfinance zu intervenieren und diesen Schritt um gehend zu korrigieren.

 

E-Voting – Verärgerung und Appell der ASO

Es ist festzustellen, dass die elektronische Stimmabgabe, ein für die Fünfte Schweiz bedeutsames Thema, nach Auflösung des Zürcher Konsortiums Ende 2015 rückläufig ist. ASO-Direktorin Ariane Rustichelli erinnerte daran, dass heute lediglich fünf Kantone die Nutzung dieses Wahlkanals anbieten. Vor der Auflösung des Konsortiums hatten 13 Kantone vom E-Voting Gebrauch gemacht. Die Anzahl der in einem Stimmregister eingetragenen Auslandschweizer beträgt 142'000; dies entspricht der Zahl der Stimmberechtigten der Kantone Tessin, Thurgau oder Wallis – Tendenz steigend. Überdies sei daran erinnert, dass das E-Voting für die Auslandschweizer häufig die einzige Möglichkeit ist, ihr demokratisches Recht auszuüben, da die Wahlunterlagen oft zu spät in ihrem Briefkasten landen.

Auf die verschiedenen Vorstösse erwiderte Bundeskanzler Walter Thurnherr, dass «man das E-Voting aus technischer Sicht unterschätzt hat. Ausserdem gibt es gute, gleichwertige Alternativen, drittens kostet das Projekt und Geld ist Mangelware. Ausserdem gilt die Prämisse Sicherheit vor Tempo.» Barbara Schüpbach-Guggenbühl, Präsidentin ad interim der Schweizerischen Staatsschreiberkonferenz, erklärte, dass «wir jetzt nicht aufgeben und sagen dürfen, alles sei vorbei. Es geht darum, vorwärts zu schauen.»

Schliesslich richtete ASO-Direktorin Ariane Rustichelli im Namen der ASO einen Appell an die Kantone und erinnerte daran, dass «in einem politischen System der halbdirekten Demokratie alle Bürger die gleichen Rechte haben und auch die Möglichkeit haben müssen, diese auszuüben. Im Falle der Auslandschweizer setzt dies die Einführung des E-Voting voraus, welches das einzige Mittel zur Gewährleistung ihrer Partizipation am politischen Prozess darstellt. Die ASO appelliert daher eindringlich an die Schweizer Kantone, die elektronische Stimmabgabe für ihre Landsleute im Ausland möglichst rasch einzuführen.»

Anhang: Dokument zum E-Voting

 

  • Bundesplatz: Feierlichkeiten zur 100-Jahre-Feier der ASO:

Teil 1 um 12 Uhr in Gegenwart von Bundesrat Didier Burkhalter

Teil 2 um 18h.45 Uhr in Gegenwart von Vertretern der Stadt und des Kantons Bern

Der ASO-Präsident Remo Gysin begrüsste das Publikum, das heute ab 10 Uhr zahlreich erschienen war, um das 100-jährige Bestehen der Interessenvertretung der 762'000 im Ausland lebenden Schweizer zu feiern. Zusätzlich zum vielseitigen Unterhaltungsprogramm (Kletterwand, Preisausschreiben, Fotobox) und den Informationsständen gab es Konzerte mit Schweizer Militärmusik, dem Swiss Jazz Orchestra sowie Ansprachen von Vertretern der Stadt und des Kantons Bern. Umringt von jungen Auslandschweizern aus der ganzen Welt, schnitt Bundesrat Didier Burkhalter den Geburtstagskuchen an und betonte die Bedeutung der Fünften Schweiz. Er lobte in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der ASO. Anschliessend ging die Feier bis 22.30 Uhr mit Konzerten von Anna Rossinelli und William White weiter.

Weitere Informationen zum 100-Jahre-Jubiläum der ASO

 

Im Rahmen des 100-Jahre-Jubiläums sind verschiedene Publikationen erschienen. Die ASO empfiehlt besonders ein Buch, das die 100-jährige Geschichte der Auslandschweizer-Organisation nachzeichnet und vom ehemaligen ASO-Direktor Rudolf Wyder in deutscher Sprache verfasst worden ist: «Globale Schweiz».

Anhang: Vorstellung des Buches «Globale Schweiz»

 

Partner der Veranstaltung: