Jedes Jahr treffen sich die Auslandschweizer im August während dreier Tage zu ihrem Kongress – 2008 fand er in Freiburg statt. Mehr als 400 im Ausland lebende Schweizerinnen und Schweizer nahmen an der 86. Ausgabe teil. Diesjähriges Thema war die Personenfreizügigkeit. Grenzen überschreiten, als Nichteinheimische im Ausland leben – die Auslandschweizer kennen viele der themenspezifischen Aspekte aus eigener Erfahrung. Angesichts der Bedeutung der anstehenden Abstimmung über die Personenfreizügigkeit lag es nahe, unseren Landsleuten im Ausland das Wort zu erteilen. Der Samstag versprach sehr interessant zu werden … und wurde schliesslich zu einem spannenden und emotionalen Erlebnis.
Der Auslandschweizer-Kongress wurde am Freitagabend, 22. August 2008 offiziell eröffnet. Den eigentlichen Auftakt des jährlichen Auslandschweizer-Treffens bildet jedoch traditionell die Sommersession des Auslandschweizerrats (ASR) am Freitag. Das «Parlament der Fünften Schweiz» verabschiedete am Vormittag zwei Resolutionen. In der einen werden die Parlamentarier und der Bund aufgefordert, das Budget der «Schweizer Revue» nicht weiter zu kürzen, repräsentiert sie doch die einzige Informationszeitschrift, die sämtliche Auslandschweizer erreicht. Das EDA erwägt eine 27-prozentige Budgetkürzung von 500'000 Franken (Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in einem ausführlichen Artikel unter der folgenden Internetadresse: http://www.aso.ch/de/information/news/drohende-budgetkuerzung-bei-der-schweizer-revue). Die zweite Resolution verlangt von den Kantonen die rasche Einführung der elektronischen Stimmabgabe (E-Voting) für die registrierten Wahlberechtigten und im Speziellen für die Auslandschweizer. Das E-Voting bildet die einzige Lösung für jene Probleme, mit welchen unsere im Ausland lebenden Landsleute bei der Ausübung ihrer politischen Rechte konfrontiert sind, wie etwa das verspätete Eintreffen der Abstimmungsunterlagen oder deren Zustellung in der falschen Sprachversion.
Der Kongress wird alljährlich von der Auslandschweizer-Organisation (ASO) organisiert, jener Stiftung, welche der Stimme der rund 670'000 Auslandschweizer Gehör verschafft und deren Interessen wahrnimmt. Das jährliche Treffen bildet eine ideale Gelegenheit, enge Banden mit dem Heimatland zu pflegen und gleichzeitig für die Fünfte Schweiz zentrale Themen zu diskutieren. Diesjähriges Kongressthema bildete die Frage «Eine Schweiz ohne Grenzen?», und im Zentrum stand dabei die Personenfreizügigkeit.
Das Abkommen über den freien Personenverkehr, welchem das Schweizervolk zugestimmt hat, sowie die Frage nach der Ausdehnung dieses Abkommens auf alle EU-Mitgliedsländer ab dem Jahr 2009 lassen die Fünfte Schweiz nicht kalt. Über 400'000 Schweizer Bürger leben im EU-Raum. Was würde aus der Schweiz werden, wenn sie sich in Europa isolierte? Wie haben sich die Abkommen auf die im Ausland und im Heimatland lebenden Schweizerinnen und Schweizer ausgewirkt? Welche konkreten Auswirkungen hat der freie Personenverkehr in der Schweiz, und welches sind dessen Vor- und Nachteile? Auf diese und viele andere Fragen versuchten die Kongressteilnehmer Antworten zu finden.
Prominente Aus- und Inlandschweizer aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur erläuterten den Kongressteilnehmern ihren jeweiligen Standpunkt zum Thema des freien Personenverkehrs. Durch Vorträge, Workshops, Besichtigungen und einen runden Tisch konnten sich die Kongressteilnehmer ein umfassendes Bild von der Problematik machen. Joëlle Kuntz, Schriftstellerin und Journalistin bei der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps», zog das Auditorium mit ihrer leidenschaftlichen und differenzierten Ansprache zur Eröffnung der Vollversammlung in ihren Bann.
Am frühen Nachmittag fand unter der Leitung von Romaine Jean (TSR) eine Diskussionsrunde vor allem über die wirtschaftlichen und politischen Aspekte sowie über Chancen und Risiken des freien Personenverkehrs statt, an der unter anderen Christa Markwalder-Bär (FDP) und Pirmin Schwander (SVP) mitwirkten.
Den Abschluss des Kongress-Samstags bildete eine äusserst inspirierte Rede von Bundesrat Moritz Leuenberger. Er betonte insbesondere, dass der Wille der Auslandschweizer, ihre Rechte und Interessen wahrzunehmen, einem klaren Bekenntnis zum typisch schweizerischen und vom Bundesrat in den höchsten Tönen gepriesenen Prinzip der direkten Demokratie gleichkomme. Im Anschluss an seine Ansprache traf sich der Bundesrat mit rund zwanzig jungen Auslandschweizern zu einem lockeren Gespräch über den freien Personenverkehr sowie über andere aktuelle Themen.